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Darmverschluss (Ileus): Schnelles Handeln ist wichtig

Bei einem Darmverschluss (Ileus) ist schnelles Handeln wichtig: Darmverschlüsse sind ernst zu nehmende Ereignisse, die unbehandelt lebensbedrohlich verlaufen können.

Wer bei Anzeichen für einen Darmverschluss zu lange wartet, riskiert beispielsweise, dass:

  • Darmteile absterben,
  • der Darminhalt durch die Darmwand durchbricht,
  • es zum Schock kommt oder
  • eine allgemeine Infektion (Sepsis) entsteht.

Was ist ein Darmverschluss?

Bei einem Darmverschluss ist der Dünndarm oder der Dickdarm verschlossen oder gelähmt. Dadurch gerät der Weitertransport von Nahrungsbrei und Flüssigkeiten im Darm ins Stocken – und der Darminhalt staut sich.

 

  • Ein Subileus ist ein unvollständiger Darmverschluss, bei dem der Nahrungsbrei nicht mehr weitertransportiert wird.
  • Beim Ileus ist die normale Darmpassage vollständig unterbrochen, sodass auch keine Flüssigkeit mehr weitertransportiert wird.

Ein Darmverschluss führt dazu, dass der Darm seine Funktion nur noch teilweise oder gar nicht mehr erfüllen kann. So sorgt der Dickdarm beispielsweise dafür, dass das Wasser und die Salze, die mit den Verdauungssäften in den Darm gelangen, dem Körper zugeführt werden.

Beinahe zwei Liter Verdauungssäfte bildet ein Erwachsener am Tag. Bei einem Darmverschluss kann es passieren, dass diese zwei Liter im Darm bleiben. Dann geht dem Kreislaufsystem des Körpers wichtiges Volumen verloren.

Der mit einem Darmverschluss verbundene Flüssigkeitsverlust lässt sich mit demjenigen vergleichen, der bei starkem Durchfall auftritt. Das fehlende Volumen schwächt den Kreislauf – letztlich kann es beim Ileus zu einer Unterversorgung wichtiger Organe kommen.

Darmverschluss: Symptome

Die für einen Darmverschluss (Ileus) typischen Symptome sind:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen von Mageninhalt, später können die Betroffenen auch Darminhalt (“Galle”) oder sogar Kot erbrechen
  • Störung der Darmentleerung, wobei weder Stuhl noch Gase entweichen (sog. Stuhl- und Windverhalt)
  • meist prall gespannter Bauch durch die vermehrte Gasansammlung im Darm (sog. Meteorismus)
  • manchmal Fieber

Je nach seiner Ursache und Lage kann ein Darmverschluss allerdings unterschiedliche Symptome verursachen.

Mechanischer Darmverschluss

Ist der Darm durch ein Hindernis abgeklemmt oder verstopft, liegt ein mechanischer Darmverschluss vor. Dessen wichtigste Symptome sind:

  • kolikartige (d.h. wiederkehrende, an- und abschwellende krampfartige) Bauchschmerzen,
  • Erbrechen,
  • fehlender Stuhlgang,
  • vermehrte Gasansammlung im Darm und/oder
  • spritzende oder pfeifende Darmgeräusche.

Die Darmgeräusche entstehen durch gesteigerte Darmbewegungen (sog. Hyperperistaltik): Dadurch versucht der Darm im Anfangsstadium des mechanischen Ileus, den Nahrungsbrei durch die Engstelle hindurchzudrücken. Später ist der Darm beim mechanischen Darmverschluss lahmgelegt: Dann sind keine Darmgeräusche mehr zu hören.

Die beim mechanischen Darmverschluss auftretenden Symptome weisen oft schon darauf hin, ob der Dünndarm oder Dickdarm betroffen ist:

  • Bei einem höher gelegenen Dünndarmverschluss können die sonst typischen Symptome – wie Blähungen, vermehrte Gasansammlung im Darm und ausbleibender Stuhlgang – anfangs fehlen. Dafür erbrechen die Betroffenen schon früh und viel. Die Bauchschmerzen setzen zeitweilig aus.
  • Bei einem tief gelegenen Dünndarmverschluss setzt das Erbrechen eventuell später ein. Das Erbrochene kann dann braun sein und übel riechen (weil die Betroffenen Kot erbrechen). Die Schmerzen treten oft kolikartig im ganzen Bauch auf. Auch hier ist der Stuhlgang anfangs noch vorhanden.
  • Auch ein Dickdarmverschluss beginnt eher schleichend – mit AppetitlosigkeitVöllegefühl, Übelkeit und Blähbauch. Die kolikartigen Schmerzen nehmen allmählich zu. Erbrechen müssen die Betroffenen in diesem Fall erst sehr spät – teils kommt es dann zu Koterbrechen..
Illustration: Innere Organe© LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese
Die mit einem Darmverschluss verbundenen Symptome hängen auch von dessen Lage ab.

Paralytischer Darmverschluss

Ist eine gelähmte Darmmuskulatur für den Darmverschluss verantwortlich, liegt ein paralytischer Ileus vor. Dessen wichtigste Symptome sind:

  • langsam beginnende, mäßige Dauerschmerzen im ganzen Bauch
  • Übelkeit
  • schwallartiges Erbrechen
  • Aufstoßen
  • aufgeblähter Bauch, der anfangs weich und später hart und gespannt ist (sog. Trommelbauch)
  • verminderte bis fehlende Darmgeräusche (sog. Totenstille)

Darmverschluss: Ursachen

Ein Darmverschluss (Ileus) kann mechanische und/oder funktionelle Ursachen haben. Entsprechend unterscheidet man:

  • mechanische,
  • funktionelle und
  • gemischte Darmverschlüsse.

Mechanischer Ileus

Bei einem mechanischen Darmverschluss wird die natürliche Darmpassage mechanisch von außen oder innen be- oder verhindert. Die Ursachen hierfür sind sehr vielfältig.

Grob betrachtet kann ein mechanischer Ileus auf drei verschiedene Arten entstehen, wobei der Dünndarm etwa zweimal häufiger betroffen ist als der Dickdarm:

  • Das Darminnere kann durch ein Hindernis von innen verstopft sein (sog. Obturation). Zum Beispiel durch:
  • Der Darm kann durch entzündliche oder gewachsene Veränderungen verengt oder von außen zusammengedrückt sein (sog. Obstruktion). Mögliche Ursachen sind:
    • Verwachsungen und narbige Stränge (sog. Briden oder Adhäsionen), die sich Jahre bis Jahrzehnte nach einer Bauchoperation entwickeln
    • Morbus Crohn
    • Divertikulitis (= Entzündung einer sackförmigen Ausstülpung der Darmwand)
    • bösartige Tumoren (Darmkrebs)
  • Ein Darmabschnitt kann abgeklemmt sein (sog. Strangulation). Dies passiert vergleichsweise selten.
    • Häufigste Ursache ist eine eingeklemmte Hernie (Eingeweidebruch): Dabei stülpt sich der Darm durch Lücken in der Muskulatur der Bauchdecke, die ihn dann einklemmen können – wie zum Beispiel bei einem Leistenbruch.
    • Außerdem kann ein Strangulationsileus entstehen, wenn sich der Darm um die eigene Achse dreht und dadurch Gefäße abgeschnürt sind (sog. Volvulus).
    • Eine weitere mögliche Ursache ist die sogenannte Invagination: Bei ihr stülpt sich ein Darmabschnitt in einen anderen. Das betrifft typischerweise Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr.

Ein durch Strangulation entstandener mechanischer Ileus ist ein Notfall! Denn beim Strangulationsileus sind Blutversorgung und Blutabfluss im Darm unterbrochen. Und ohne Blutversorgung stirbt die Darmwand nach wenigen Stunden ab. Dann ist der entsprechende Darmteil nicht mehr zu retten.

Funktioneller Ileus

Wenn die Funktion der Darmmuskulatur gestört ist, kann es auch zu einem Darmverschluss kommen, obwohl das Innere des Darms eigentlich durchgängig ist. Dann liegt ein funktioneller Ileus vor. Nach seinen Ursachen unterscheidet man zwei Formen:

  • Ein paralytischer Ileus entsteht durch eine Lähmung der Darmmuskulatur.
  • Ein spastischer Ileus ist die Folge einer Verkrampfung (Spasmus) der Darmmuskulatur.

Allgemein kann ein funktioneller Darmverschluss vielfältige Ursachen haben – zum Beispiel:

  • toxisch-infektiöse Vorgänge (Gifte oder Erreger)
  • Probleme infolge von Stoffwechselstörungen
  • Medikamente
  • eine reflexbedingte Störung

Paralytischer Ileus: Lähmung der Darmmuskulatur

Ein paralytischer Ileus kann zum Beispiel entstehen durch:

Darüber hinaus kann sich auch aus einem ursprünglich mechanisch verursachten Darmverschluss ein paralytischer Ileus entwickeln.

Spastischer Ileus: Verkrampfung der Darmmuskulatur

Ein spastischer Ileus kann ebenfalls toxisch bedingt sein: So kann eine Bleivergiftung ebenso wie eine Blutvergiftung (Sepsis) zu einem spastischen Darmverschluss führen. Des Weiteren können bestimmte Würmer, die sich im menschlichen Darm ansiedeln können (sog. Askariden), spastische Darmverschlüsse verursachen.

Gemischter Ileus

Ein gemischter Darmverschluss entsteht durch eine Kombination aus funktionellen und mechanischen Ursachen. Dies ist der Fall, wenn eine Bauchfellentzündung mit Darmlähmung besteht, wobei der Darm zusätzlich mechanisch (d.h. durch irgendein Hindernis) verschlossen ist.

Darmverschluss: Diagnose

Bei einem Darmverschluss (Ileus) ist die richtige Diagnose nicht immer einfach: Vor allem bei Kindern und alten Menschen ist eine behinderte oder unterbrochene Darmpassage manchmal schwer zu erkennen, da sie sich hinter vielfältigen Krankheitsanzeichen verbergen kann.

Doch bei plötzlich einsetzenden und womöglich schnell zunehmenden Beschwerden im Bauchbereich (sog. akutes Abdomen) sollte der Arzt auch einen Darmverschluss als möglichen Grund erwägen – auch wenn die Beschwerden nicht eindeutig sind.

Besteht der Verdacht auf einen Darmverschluss, erkundigt sich der Arzt nach den Beschwerden und der Krankengeschichte (Anamnese) und führt eine körperliche Untersuchung durch. Daneben ist das Röntgen wichtig, um einen Ileus zu diagnostizieren: Eine Röntgenaufnahme des Bauchs (Abdomenübersicht) liefert meist wichtige Informationen, die dabei helfen, Ort und Ursache des Darmverschlusses zu bestimmen oder festzustellen, ob andere Komplikationen vorliegen.

Bei einem mechanischen Darmverschluss ist der Darmabschnitt vor dem Passagehindernis erweitert, mit Gas und eventuell mit Flüssigkeit gefüllt, wobei der nachfolgende Anteil leer erscheint. Die Flüssigkeitsansammlung ist im Röntgenbild in den Darmschlingen zu erkennen.

Bei einem funktionellen Ileus dagegen ist der gesamte Darm erweitert, mit Gas und mit Flüssigkeit gefüllt. Ist der Darm mit Kontrastmittel gefüllt, zeigt das Röntgenbild häufig, in welcher Höhe das Hindernis liegt.

Auch die Ultraschalluntersuchung ist hilfreich, um einen Darmverschluss nachzuweisen und genau zu bestimmen, an welcher Stelle der Ileus liegt. In unklaren Fällen kommt eine weitere Röntgentechnik zum Einsatz: die Spiral-Computertomographie (Spiral-CT).

Darmverschluss: Therapie

Bei einem Darmverschluss (Ileus) kann eine schnelle Therapie entscheidend sein: Viele Darmverschlüsse sind medizinische Notfälle, die bei zu später oder falscher Behandlung schwerwiegende Komplikationen verursachen können.

Wie die Behandlung im Einzelnen aussieht, richtet sich nach der Ursache für den Darmverschluss. Ob eine sofortige OP nötig ist oder nicht-operative Maßnahmen ausreichen, hängt vor allem davon ab, an welcher Stelle genau der Ileus liegt.

In jedem Fall ist es bei Verdacht auf einen Darmverschluss wichtig, dass Sie nichts mehr essen oder trinken!

In der Regel bekommen Sie bei Verdacht auf einen Darmverschluss als Erstes eine Magensonde: Über diesen direkt in den Magen geschobenen Schlauch kann der Arzt versuchen, den Mageninhalt abzusaugen und so Ihren Darm zu entlasten. Außerdem sind Infusionen Teil der Therapie: Diese sollen Flüssigkeit und Elektrolyte, die beim Ileus über den Darm verloren gehen, ersetzen.

Um bei einem Darmverschluss die Bilanz aus aufgenommener und ausgeschiedener Flüssigkeitsmenge kontrollieren zu können, erhalten Sie einen Blasenkatheter. Zudem bekommen Sie eventuell Medikamente gegen die mit dem Ileus einhergehenden Beschwerden (wie Übelkeit, Erbrechen oder Schmerzen).

Wenn eine Lähmung der Darmmuskulatur den Darmverschluss verursacht hat (sog. paralytischer Ileus), können diese nicht-operativen Maßnahmen anfangs möglicherweise ausreichen. Dies gilt jedoch nur, wenn der Arzt einen Strangulationsileus (bei dem Blutversorgung und -abfluss des Darms durch eine Gefäßabschnürung unterbrochen sind) sicher ausschließen kann. Um die ausgefallene Darmmotorik beim paralytischen Darmverschluss wieder in Gang zu bringen, können Medikamente hilfreich sein, welche die Bewegungen der Darmwände (Peristaltik) anregen.

Zwei Formen von Darmverschluss machen eine sofortige OP notwendig:

  • der Strangulationsileus und
  • der Dickdarmverschluss.

Darmverschluss: Verlauf

Wie ein Darmverschluss (Ileus) verläuft, hängt unter anderem von seiner Ursache ab: Die günstigste Prognose hat ein mechanischer Ileus mit gutartiger Ursache.

Ohne Behandlung kann ein Darmverschluss jedoch lebensbedrohlich verlaufen. Umgekehrt gilt: Je schneller die Behandlung beginnt, desto eher lassen sich schwerwiegende Komplikationen bessern oder verhindern und desto günstiger fällt die Prognose aus.

Komplikationen

Ein Darmverschluss kann in seinem Verlauf mit verschiedenen Komplikationen einhergehen. Die schwersten Komplikationen bei einem Ileus bestehen darin, dass

  • der Darminhalt durch die Darmwand durchbricht (sog. Perforation),
  • es zu einem Schock kommt und
  • sich eine allgemeine Infektion (sog. Sepsis) entwickelt.

Außerdem kann sich bei einem Darmverschluss das Bauchfell entzünden und es können Darmteile absterben. Ein Grund für die Komplikationen des Ileus ist, dass vor einem Hindernis im Darm Gas entsteht und sich Stuhl oder Nahrungsbrei anstaut. Denn dadurch kann die Darmwandspannung (der Druck im Darm) auf das 150-Fache des Normaldrucks steigen:

  • Der erhöhte Innendruck im Darm drückt auch Gefäße in der Darmwand ab. Sie wird nicht mehr ausreichend durchblutet, es kommt zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die Funktion des Darms ist gestört. Darmbakterien können dann die Darmwand durchwandern. Mögliche Folge ist eine Entzündung des Bauchfells, die sich über das Blut weiter im Körper ausbreiten und zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen kann, die schnell mit Antibiotikazu behandeln ist.
  • Der durch den Darmverschluss erhöhte Druck im Bauchraum drückt von unten auf das Zwerchfell – eine Muskelschicht zwischen Bauch und Brust, die durch Kontraktion die Atmung ermöglicht. Dies behindert die Atmung, da sich die Lunge nicht mehr frei ausdehnen kann. Dann bekommen manche Betroffene nicht genügend Sauerstoff. Zusätzlich kann der Stoffwechsel gestört sein, was die schlechte Durchblutung der Darmwand noch verstärken kann. Außerdem kann eine Behinderung der Atmung auf Dauer zu einer Lungenentzündung führen.
  • Der beim Darmverschluss erhöhte Druck im Darm führt zudem dazu, dass die Wandschicht des aufgeblähten Darms sehr dünn und anfällig für Löcher und Risse ist. Bricht Darminhalt durch die Darmwand hindurch, muss sofort operiert werden: Der Chirurg muss das Leck finden und verschließen. Manchmal ist die Luft, die frei wird, wenn der Darminhalt die Darmwand an einer Stelle durchbricht, im Röntgenbild zu sehen.

Des Weiteren schränkt der Darmverschluss die Fähigkeit des Darms ein, Nahrungsbestandteile in den Blutkreislauf zu überführen (sog. Resorption): So verliert der Körper Flüssigkeit und Elektrolyte, die der Körper normalerweise wieder aus dem Darm aufnehmen sollte. Durch den Flüssigkeitsverlust beim Ileus kann es zu einem Kreislaufschock kommen, denn die im Darm gesammelte Flüssigkeit fehlt im Gefäßsystem und in anderen Organen. Ein Elektrolytverlust kann sich unter anderem auf die elektrischen Vorgänge des Herzens auswirken und zu Herzrhythmusstörungen führen.

Darmverschluss: Vorbeugen

Einem Darmverschluss (Ileus) können Sie bedingt vorbeugen, indem Sie:

  • auf regelmäßigen Stuhlgang achten und
  • bei Ihrer Ernährung Speisen meiden, die erfahrungsgemäß schwer verdaulich sind.

Darmverschlüsse treten besonders häufig nach Operationen im Bauchbereich auf (sog. postoperativer Ileus). Daher ist es im Anschluss an eine solche Operation ratsam, besonders aufmerksam auf mögliche Anzeichen für einen Darmverschluss zu achten und bei Beschwerden sofort zum Arzt zu gehen: So können Sie mögliche Komplikationen eines zu spät erkannten und behandelten Ileus vermeiden.

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