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Karies heilen? Eine Zahnärztin packt aus! Tipps für gesunde Zähne

Aktuell beschäftige ich mich viel mit dem Thema Zahngesundheit. Ich bin sehr froh, Dr. Karin Bender-Gonser kennengelernt zu haben – sie ist mir nicht nur auf Anhieb total symphatisch, sondern ihr wertvolles Wissen schätze ich sehr. Sie hat von 1992 bis 2014 als Zahnärztin gearbeitet und wegen einer Krankheitsdiagnose ihren Weg auf einen völlig anderen Kurs gelenkt. So kam es, dass sie auch aus ihrem Job ausgestiegen ist. Auf ihrer Webseite Folge Dir Selbst steht ein schöner Satz: “Folge nie jemandem. Wenn du jemandem folgst, dann siehst du nur seinen Rücken. Und er verstellt dir den Blick. Geh nicht hinter einem anderen, sondern geh an seiner Seite.” Wie wahr! Nach dem ich mindestens 30 Videos auf ihrem YouTube Kanal Folge Dir Selbst angeschaut (oder besser gesagt, aufgesaugt!) habe, konnte ich keine Minute länger warten und kontaktierte sie. Wir haben sehr lange telefoniert und uns u.a. über Zahngesundheit, Karies, Xylit, Kinderzähne und Zucker unterhalten.

Dr. Karin Bender-Gonser im Interview über Zahngesundheit und Karies

Liebe Karin, du hast ja eine sehr lange Zeit als Zahnärztin gearbeitet. Kannst du aus deiner eigenen Erfahrung sagen, ob man bereits vorhandenen Karies ohne einer zahnärztlichen Behandlung wieder heilen kann? Oder hast du erlebt, dass eine kariöse Stelle einfach von alleine weg ging?

Karin: Über eine sehr lange Zeit hatte ich eine Patientin in Behandlung, die eine kariöse Stelle am Zahn hatte, die behandelt werden müsste – aus schulmedizinischer Sicht. Diese Stelle ist über die gesamte Zeit aber nicht schlechter geworden. Die Patientin hat mir bei der Kontrolle immer gesagt: “Nee, solange ich das Gefühl habe, diese Stelle ist in Ordnung, lasse ich sie nicht behandeln.” Sie hat sich bewusst gegen meine damals empfohlene Behandlung entschieden. Ich habe die Patientin noch ganz am Anfang meiner zahnärztlichen Karriere kennengelernt. Da sammelte ich erst meine Erfahrungen. Bei den Kontrollen dachte ich meistens: “Ohje, das wird schlimm, wenn wir das nicht behandeln.” Ich habe mich aber jedes Mal gewundert, wenn sie zur Kontrolle kam, dass diese Stelle nicht schlechter wurde. Und die Patientin hatte Recht, auf ihr Gefühl zu hören und es war gut, dass wir nicht behandelt haben. Generell: Ich habe in meiner Praxis als Zahnärztin zwar nicht erlebt, dass Karies verschwindet. Erlebt habe ich aber, dass Stellen, die aus schulmedizinischer Sicht auf jeden Fall behandelt werden müssen, sich nicht zum Nachteil verändern. Das kann man aber auch nicht pauschal sagen. Ich denke, bei solchen Dingen ist es sehr wichtig, dass man sich den Problemen bewusst ist und damit auch sehr bewusst umgeht. In den letzten 10 Jahren meiner zahnärztlichen Tätigkeit wurden es immer mehr Menschen, die bestimmte Behandlungen abgelehnt haben. Früher haben die meisten Patienten einfach alles mit sich machen lassen, was der Zahnarzt einem “verordnet” hat. Ich finde es im Nachhinein gut, dass es früher auch einige Patienten gab, die meine vorgeschlagene Behandlung ablehnten. Denn als sie wieder zu mir kamen, und ich mit meinen Befürchtungen in den Mund reinschaute, wunderte ich mich sehr. Und freute mich, dass ich die Behandlung doch nicht gemacht habe. Denn man muss wissen, dass ich bei einer zahnärztlichen Behandlung den Zahn erstmal schädige oder traumatisiere, um z.B. eine Füllung zu machen.

Bambuszahnbürste für eine gute Mundhygiene

Ich erkenne mich da ein wenig wieder. Ich hatte noch vor meiner Schwangerschaft eine kleine Stelle, quasi neben der alten Füllung – weil vermutlich nicht sauber gearbeitet wurde – die eigentlich gemacht werden müsste. Jedes Mal sage ich dem Zahnarzt, dass ich die Stelle gerne so lassen möchte. Jedes Mal wurde mir gesagt, dass das eine schlechte Entscheidung ist und mein Zahn bald zugrunde geht. Mir wird ein schlechtes Gewissen gemacht. Ich möchte die Behandlung aber nicht machen, weil ich z.B. noch stille. Ich möchte keine Rückstände von Betäubungsmitteln, Füllmaterialien, Klebstoffen und anderen Hilfsmitteln in meiner Muttermilch haben. Außerdem habe ich wirklich das Gefühl, dass es mir so ganz gut geht, auch wenn diese Stelle da ist.

Karin: Ich sehe heute viele Dinge ganz anders, als zu der Zeit, während ich noch in meinem Beruf tätig war. Das Problem ist, wenn du in deinem Job und dem System drin steckst, wirst du immer nur mit den gleichen Informationen versorgt und konfrontiert. Du denkst, du informierst deine Patienten gut. Du denkst, das ist gut, was du tust. Aber sobald du aus diesem System rausgehst, denkst du dir: “Was habe ich da eigentlich getan?” Viele Dinge sind wirklich nicht gesund. Aber wenn du im System drin steckst, siehst du das nicht. Früher hätte ich gesagt, dass man in der Schwangerschaft auf jeden Fall eine sehr gründliche Prophylaxe machen sollte. Karies ist ja ansteckend und das ist für das Kind gefährlich. Die meisten Kinder werden durch ihre Mütter angesteckt. Prophylaxe habe ich damals bei Schwangeren z.B. mit der professionellen Zahnreinigung gemacht. Ich wollte dafür sorgen, dass es generell keine Kariesbaketerien im Mund der werdenden Mütter gibt. Aber aus heutiger Sicht finde ich das nicht mehr so gut: Bei der Zahnreinigung werden sehr stark fluoridhaltige Pasten verwendet. Da pumpte ich Dinge in die Körper der werdenden Mütter hinein, die da nichts zu suchen hatten. Die wenigsten Ärzte fragen nach, ob man eine fluoridfreie Pasta bei der Reinigung haben möchte. Ich kenne auch ehrlich gesagt so gut wie keine ohne Fluorid. Die meisten legen einfach los. So kommt Fluorid in den Körper hinein und auch in die Muttermilch. Und das sollte man möglichst vermeiden, nicht nur in der Schwangerschaft. Man sollte meiner Meinung nach auch versuchen, solange man stillt, von den ganzen zahnärztlichen Behandlungen, so harmlos sie auch klingen mögen, fern bleiben. Wenn man Beschwerden hat, ist klar – man sollte hingehen. Aber ich würde erst wieder zum Zahnarzt hingehen, wenn das Kind nicht mehr gestillt wird.

Artikel zum Thema: Unsere Zahnpflege-Routine

Dr. Karin Bender-Gonser bei einem Hilfsprojekt auf den Philippinen

Dr. Karin Bender-Gonser bei einem Hilfsprojekt auf den Philippinen

Genau so mache ich es zur Zeit. Ich bleibe ganz entspannt und beobachte meinen Körper und meine Zähne. Ich schaue mir regelmäßig meine Zähne und mein Zahnfleisch durch, gehe aber auch zur Kontrolle zum Zahnarzt. So weiß ich, was aktuell im Mund los ist und kann ganz individuell entscheiden.

Karin: Wenn man ganz ehrlich ist: Das Gesundheitssystem arbeitet mit der Angst der Patienten. Nicht bewusst vielleicht, das möchte ich den Ärzten nicht unterstellen. Aber alle Prophylaxen oder Präventivmaßnahmen – egal ob beim Zahnarzt oder einem anderen Arzt – arbeiten in erster Linie mit der Angst. Der Patient denkt doch, dass etwas Schlimmes sein oder passieren kann, wenn er nicht zur Vorsorge geht. Eventuell wird etwas übersehen, das will man nicht riskieren. Man hat kein Vertrauen mehr zu sich selbst und seinem Körper. Die wenigsten sagen sich doch: “Ich bin gesund, ich lebe gesund, ich ernähre mich gut, ich informiere mich über Alternativen, ich versuche so wenig wie möglich Chemie in mein Leben zu lassen… – was soll dann groß passieren?” Mein Denkansatz ist, dass bei einer bewussten Einstellung der Körper auch gesund bleiben kann. Meine persönliche Erfahrung und Einstellung ist, dass das möglich ist. Dazu kann ich aber weder Studien noch Untersuchungen nennen. Ich möchte Menschen ermutigen, auf ihr Gefühl zu hören und sich selbst zu vertrauen. Sich nicht einschüchtern lassen oder sogar Angst bekommen. Das ist kontraproduktiv.

Wir als Eltern passen sehr auf, dass unsere Tochter beim Zähneputzen alles richtig macht. Sie ist 2 Jahre und schluckt natürlich jede Zahncreme herunter. Wir putzen ihr die Zähne mit Xylit. Was hälst du denn davon?

Karin: Super. Sehr sehr gut. Generell ist Xylit hilfreich, weil er die Kariesbakterien ausrottet. Wenn zum Beispiel bei deinem Kind sich eine Kariesbakterie in den Mund verirrt hat – und das muss gar nicht durch dich passiert sein – es reicht, dass die Oma den Löffeln kurz mit dem Mund berührt hat, um zu testen, ob das Essen nicht zu heiß ist oder ein anderes Kind deinem Kind etwas zum Probieren angeboten hat. Karies ist nichts, was vom Himmel fällt und kein Kind kommt mit Karies zur Welt. Das Kind wird mit Karies angesteckt, z.B. auch durch Schnuller ablecken und ähnlichen Dingen. Wenn man die Kariesbakterien nicht in den Mund bringt, entsteht auch kein Karies. Denn nur vom Süßen allein entsteht kein Karies. Jetzt kommen wir wieder zum Xylit. Er ist wunderbar, um die Kariesbakterien zum Verschwinden zu bringen. Denn sie können ihn nicht verstoffwechseln. Wenn man also regelmäßig Xylit verwendet, kann man die Kariesbakterien aus dem Mund dauerhaft verscheuchen. Das heißt, deine Xylitlösung dient nicht der mechanischen Reinigung der Zähne, sondern in erster Linie zur Kariesprophylaxe. Eine Zahnpasta hat ja viele verschiedene Funktionen – sie enthält antibakterielle Inhaltstoffe, Putzkörper bzw. Schleifstoffe und andere Elemente. Bei einer Zweijährigen ist das völlig ausreichend. Wenn man Beläge an den Zähnen sieht, könnte man auch eine kinderfreundliche und natürliche Zahnpasta inkl. Xylit herstellen. Dem Kind muss die Zahnpasta auch gut schmecken, da müsste man ein wenig ausprobieren. Und ganz wichtig ist, dass man als Elternteil bei einem Kleinkind die Zähne nachputzt – ungefähr bis zum 9 Lebensjahr. Am Besten vor dem Schlafengehen.

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Xylit bzw. Xylitol gegen Karies

Das Thema: Zucker. Mich würde folgendes interessieren: Ich kenne Eltern, die ihren Kindern sehr sparsam Obst geben, weil dort z.B. viel Fruchtzucker drin ist. Wie ist deine Erfahrung mit Fruchtzucker?

Karin: Das finde ich ziemlich blöd, auf gut deutsch gesagt. 🙂 Ich habe eine andere Betrachtungsweise. Ich bin der Meinung, dass wir gerade die Körper unserer Kinder mit einer guten und gesunden Ernährung stärken sollen. Dazu gehört auch Obst. Es einfach wegzulassen, ist einfach blöd.

Obst wegzulassen wäre bei uns nicht leicht durchzuziehen. Meine Tochter ist eine leidenschaftliche Obstesserin und verlangt danach.

Karin: Meine Erfahrung z.B. mit meinen Kindern ist, dass es immer Phasen gibt. Es wandelt sich immer. Ich würde mir da keine Sorgen machen, solange es unverarbeitete, frische, biologische und gesunde Nahrungsmittel sind. Ich würde dem Kind aus dieser Lebensmittelpalette alles geben, was es verlangt. Und wenn das Kind drei Mal am Tag Apfel essen möchte, bekommt es drei Mal am Tag Apfel. Aber wenn das Kind dreimal am Tag einen Honigtopf auslecken möchte, da würde ich sagen – Stopp! Da würde ich aufpassen. Der Zucker ist gefährlich. Auch bei einem süßen Brei mit Zimt und Zucker, auch wenn das ein Rohrohrzucker ist, ist vorsicht geboten. Das ist eben zu viel an Zucker, den wir nicht brauchen. Er übersäuert unseren Körper. Und das ist eben eine andere Betrachtungsweise von Karies. Nicht nur die lokale Wirkung von Zucker in Verbindung mit Kariesbakterien sorgt für Karies. Wir bekommen auch Karies, durch eine Übersäuerung des Körpers, die durch eine schlechte Ernährung entsteht und dem Zahn die Knochenmineralien entziehen. Wenn der Körper übersäuert ist, dann versucht er, die Säure zu neutralisieren. Dabei mobilisiert er die Mineralien aus dem Körper, die liegen nun mal in den Knochen und den Zähnen. Darüber wird die Zahnsubstanz geschwächt und kann leichter entminiralisiert werden. Insofern, der Zucker, den du extra zuführst, wenn man sich ehrlich eingesteht, dass das Kind mehrfach am Tag Gummibärchen oder Bonbons bekommt, ist schlecht für die Zähne. Das füttert lokal die Kariesbakterien und übersäuert den Körper. Aber wenn der Körper über Obst den Zucker bekommt, muss man das Ganze ein wenig anders sehen. Mit Obst meine ich ein ganzes Obst – mit Schale, eventuell kleinen Kernen – nur diese “ganze” Kombination, mit ihren dazugehörigen Bestandteilen – ist für unsere Kinder gesund und für den Körper optimal verwertbar. Sobald man das Obst schält, bestimmte Teile abtrennt – ist es nicht mehr so gesund. Ich bin der Meinung: Das, was uns die Natur unverarbeitet zur Verfügung stellt, kann für uns nicht schädlich sein.

Jetzt fragen sich sicher einige: Aber was ist mit dem ganzen getrockneten Obst? Wenn ich backe, verwende ich auch ganz gerne getrocknete Datteln als Süßungsmittel, weil das für mich als einzige wenig verarbeitete Alternative zu herkömmlichen Süßungsmitteln erscheint. Trockenobst hat ja wenigstens noch andere wertvolle Inhaltsstoffe…

Karin: Mit dem getrockneten Obst verhält es sich wieder anders. Da dem Obst beim Trocknungsprozess das Wasser entzogen wurde, enthält es hochkonzentriert Zucker. Das Problem beim Karies ist auch, die Klebrigkeit des Nahrungsmittels an der Zahnoberfläche. Honig ist deshalb auch kariogen, auch wenn er ganz tolle Inhaltsstoffe und Bestandteile hat, die gesund sein können. Wenn Zucker aber klebrig ist, hält er sich an der Zahnoberfläche viel länger. Dann haben die Kariesbakterien die Chance, sehr lange an dieser Stelle schädliche Säuren zu bilden, somit kann viel schneller Karies entstehen. Deshalb – nur das frsiche Obst – so wie von unserer Natur uns gestellt – ist für die Zähne gesund. Getrocknetes Obst ist eine Notlösung, vielleicht auch für die Winterzeit. Wenn man es eingeweicht im Müsli ißt, ist es auch nicht so schlimm. Aber wenn man es als Snack aufnimmt, ist das eher für die Zähne nicht so gesund.

Trockenobst kann Karies verursachen

Hast du einen Tipp, wie man empfindliche Zähne – und auch den Zahnschmelz – wieder stärken kann?

Karin: Sehr, sehr viele Menschen ernähren sich schlecht. Übersäuerung ist auch hier wieder das Thema. Wie schon erklärt, werden dem Körper Mineralien entzogen. Diese Leute haben auch einen weicheren Zahnschmelz. Viele Leute haben dann auch empfindlichere Zähne oder auch Zahnhälse. Es kann auch sein, dass nicht nur die Ernährung dabei eine wichtige Rolle spielt, sondern auch die falsche Zahnputztechnik. Man kann auch mit der falschen Technik den Zahnschmelz wegputzen und sein Zahnfleisch wegscheuern, so dass es sich zurück zieht. Das hat dann nichts mit Parodontitis oder Parodontose zu tun. Da werden oft ganz viele Dinge verwechselt! Es gibt ganz viele verschiedene Ursachen, man muss bei jedem Problem sehr präzise sein und ganz genau hinschauen, was wirklich dahinter steckt. Zuckerhaltige Getränke mit viel Säureanteil, dazu gehören auch Obstsäfte – das ist nicht gut für die Zähne. Auch frischgepresste Säfte – dürfen nicht als Dauergetränk konsumiert werden, einmal am Tag ist aber völlig ok. Es gibt manche Familien, die geben den Kindern den ganzen Tag Apfelschorle. Der Zahnschmelz wird den ganzen Tag permanent angelöst, durch die Säure und den Zucker da drin. Dann kann der Zahn empfindlich werden. Man muss die Ursachen entfernen, dann regeneriert sich der Zahnschmelz von alleine – da in unserem Speichel ganz viele Mineralien drin sind, die dafür sorgen, dass unsere Zahnoberfläche wieder repariert wird. Zurück zum Zahnschmelz: Um so eine Frage ganz genau beantworten zu können, muss man ganz viele Dinge erfragen und wissen. Es ist so schwer einfach pauschal zu sagen, warum die Zähne empfindlich sind. Einen Tipp habe ich: Unterstützend ist die Sango Meereskoralle sehr hilfreich. Die kann man einerseits einnehmen, aber auch lokal auf die Zähne auftragen. Das Pulver mache ich mir zum Beispiel in meine selbstgemachte Zahnpasta rein. Wenn die Zähne empfindlich sind, kann man diese Empfindlichkeit direkt reduzieren, in dem man dieses Pulver zusätzlich benutzt.

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